Wer einen Kredit aufnehmen möchte, trifft bei der Bank auf zwei getrennte Prüfungen: die Bonitätsprüfung, in die unter anderem Daten der SCHUFA einfließen, und die Tragfähigkeitsprüfung. Die Tragfähigkeitsprüfung beantwortet die Frage, ob das verfügbare Einkommen die geplante Rate dauerhaft tragen kann. Beide Prüfungen greifen ineinander, ersetzen einander aber nicht. Dieser Ratgeber zeigt, wie Kreditinstitute die Tragfähigkeit ermitteln, welche Nachweise dabei helfen und wo der SCHUFA-Score in diesem Verfahren steht.
Stand: 08.10.2026
Was die Tragfähigkeitsprüfung bedeutet
Die Tragfähigkeitsprüfung ist eine Prognose: Kann der Kreditnehmer die vereinbarten Raten über die gesamte Laufzeit zahlen, ohne dass seine übrigen Verpflichtungen ins Rutschen geraten? Kreditinstitute stellen dafür eine Haushaltsrechnung auf. Sie setzen dem regelmäßigen Nettoeinkommen die laufenden Ausgaben gegenüber – Wohnkosten, Lebenshaltung, Versicherungen, bestehende Kredite, Leasingraten, Unterhaltsverpflichtungen und die neue Rate. Aus dem verbleibenden Spielraum ergibt sich, welche Kreditsumme und welche Laufzeit realistisch sind.
Die Prüfung ist gesetzlich verankert: Vor der Vergabe eines Verbraucherdarlehens müssen Kreditinstitute die Kreditwürdigkeit prüfen. Die Tragfähigkeitsprüfung ist Teil dieser Pflicht und dient beiden Seiten – sie schützt Kreditnehmer vor einer Überforderung und die Bank vor einem Zahlungsausfall.
Bonität und Tragfähigkeit: zwei getrennte Prüfschritte
Bonität: Wie zuverlässig wurden Verpflichtungen bisher erfüllt?
Bei der Bonitätsprüfung geht es um die Frage, wie ein Kreditnehmer mit bestehenden Verpflichtungen umgeht. Hier fließen Daten der SCHUFA ein, etwa Informationen zu Krediten, Konten und Zahlungsstörungen. Zusätzlich wertet die Bank die Angaben im Kreditantrag aus.
Tragfähigkeit: Passt die Rate zum Einkommen?
Die Tragfähigkeitsprüfung schaut nach vorn. Auch bei einem sehr guten Score kommt kein Kredit zustande, wenn die Haushaltsrechnung keinen Spielraum lässt. Umgekehrt kann ein schwächerer Score durch ein stabiles Einkommen, Eigenkapital und eine überschaubare Kreditsumme relativiert werden – eine Garantie ist das nicht.
Wie der SCHUFA-Score in die Prüfung einfließt
Der SCHUFA-Score wird in Punkten von 100 bis 999 angegeben und beruht auf 12 Kriterien. Die Klassen lauten: Hervorragend 776–999 Punkte, Gut 709–775, Akzeptabel 642–708 und Ausreichend 100–641. Daneben führt die SCHUFA die Klasse „Ungenügend“: Für Personen, die ihren Zahlungsverpflichtungen trotz mehrfacher Mahnungen nicht nachgekommen sind, oder bei Einträgen aus dem Schuldner- oder Insolvenzregister berechnet sie keinen Score; bei offenen Forderungen erst wieder, wenn sie beglichen sind. Fehlt ein Score nur, weil zu wenige Daten vorliegen, ist das ein anderer Fall.
Für jedes der zwölf Kriterien veröffentlicht die SCHUFA, wie viele Punkte es bringen kann; im SCHUFA-Account lässt sich der eigene Score mit einem Erklärtool nachrechnen. Für Verbraucher ist dabei vor allem wichtig, dass die gespeicherten Daten korrekt und aktuell sind. Ihre eigenen gespeicherten Angaben können Sie über die kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO anfordern und prüfen.
Ein Hinweis zum Stand: Unternehmen haben laut SCHUFA eine Übergangsfrist bis Ende 2028. Bis dahin kann der Wert, den Verbraucher selbst sehen, von dem Wert abweichen, den ein Unternehmen nutzt. Wer sich auf eine bestimmte Punktzahl verlässt, sollte diese Möglichkeit einplanen. Erläuterungen zum Punktemodell finden sich in den Informationen der SCHUFA zum neuen Score.
Welche Unterlagen Kreditinstitute typischerweise anfordern
- Einkommensnachweise: Gehaltsabrechnungen der letzten Monate, bei Selbstständigen Gewinn- und Verlustrechnung oder Steuerbescheide
- Kontoauszüge: Sie zeigen regelmäßige Eingänge und bestehende Verpflichtungen
- Nachweise über laufende Kredite und Raten: etwa Kreditverträge oder aktuelle Restsalden
- Nachweise über Wohnkosten: etwa der Mietvertrag
- Bei Baufinanzierung: Objektunterlagen, Eigenkapitalnachweis, Grundbuchauszug
- Bei Selbstständigen: betriebswirtschaftliche Auswertung und Nachweis über das Bestehen des Unternehmens
Welche Unterlagen im Einzelfall verlangt werden, hängt vom Kreditprodukt und von der Höhe der gewünschten Summe ab.
Was die Haushaltsrechnung verbessert
- Bestehende Raten reduzieren: Kleine Kredite und Ratenkäufe vor dem Antrag ablösen oder auslaufen lassen.
- Kreditsumme anpassen: Eine niedrigere Summe senkt die Monatsrate. Eine längere Laufzeit entlastet monatlich, erhöht aber die Zinslast über die Gesamtlaufzeit.
- Eigenkapital einsetzen: Je weniger finanziert werden muss, desto niedriger fallen Kreditsumme und Rate aus.
- Einkommen belegen: Bei variablem Einkommen, Boni oder Nebeneinkünften helfen Nachweise über einen längeren Zeitraum.
- Daten prüfen: Falsche oder veraltete Angaben in Auskünften sollten korrigiert sein, bevor der Antrag gestellt wird.
- Angebote vergleichen: Nach Angaben der SCHUFA fließen Kreditanfragen von Banken in den neuen Score nicht mehr ein. Weil Unternehmen bis Ende 2028 noch ältere Scores nutzen können, ist es trotzdem sinnvoll, beim Vergleich ausdrücklich nur eine Konditionsanfrage zu stellen.
Typische Missverständnisse
„Der Score allein entscheidet“
Der Score ist ein Baustein neben Einkommen, Haushaltsrechnung, Sicherheiten und Kreditsumme. Eine einzelne Kennzahl entscheidet nicht über den Antrag.
„Mein Einkommen steht in der SCHUFA“
Einkommensnachweise, Kontoauszüge und Vermögenswerte reichen Sie direkt bei der Bank ein. Sie sind nicht Bestandteil der SCHUFA-Auskunft, sondern werden vom Kreditinstitut selbst geprüft.
„Eine Ablehnung ist endgültig“
Eine Absage gilt für den konkreten Antrag und die konkrete Kondition. Ein späterer Antrag mit kleinerer Summe, längerer Laufzeit oder einem Mitantragsteller kann anders bewertet werden. Sinnvoll ist, die Gründe der Ablehnung zu erfragen und vor einem neuen Anlauf die Haushaltsrechnung zu verbessern.
Fazit: Beide Prüfungen zusammen zählen
Die Tragfähigkeitsprüfung beantwortet, ob eine Rate ins Budget passt; die Bonitätsprüfung, ob die bisherige Zahlungshistorie Vertrauen rechtfertigt. Wer vor dem Kreditantrag bestehende Raten reduziert, Unterlagen vollständig einreicht und die eigenen Auskunftsdaten auf Richtigkeit prüft, verbessert seine Ausgangslage. Eine Zusage lässt sich daraus nicht ableiten, die Chancen auf ein passendes Angebot steigen jedoch.