Die Verwirrung um die verschiedenen Schufa-Werte
Wer eine Schufa-Selbstauskunft (Datenkopie nach Art. 15 DS-GVO) beantragt, stößt meist zuerst auf den sogenannten Basisscore. Dieser wird in Prozent angegeben und soll die eigene Kreditwürdigkeit widerspiegeln. Doch wer wenig später einen Kreditvertrag unterschreiben möchte oder ein neues Konto eröffnet, stellt oft fest, dass die Bank mit ganz anderen Werten arbeitet. In diesem Ratgeber klären wir auf, warum es nicht den einen Schufa-Score gibt und worin sich Basisscore und Branchenscore unterscheiden.
Der Schufa-Basisscore: Ihre persönliche Orientierung
Der Basisscore ist eine Kennzahl, die primär für den Verbraucher selbst gedacht ist. Er dient als branchenübergreifende Information über die eigene Bonität. Hier sind die wichtigsten Merkmale:
- Berechnung: Der Basisscore wird alle drei Monate (quartalsweise) neu berechnet.
- Skala: Er wird in Prozentwerten von 0 bis 100 angegeben. Je höher der Wert, desto geringer ist die statistische Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalls.
- Verwendung: Er wird nicht an Unternehmen übermittelt, sondern dient lediglich Ihrer eigenen Information in der Selbstauskunft.
Ein Wert von über 97 Prozent gilt im Allgemeinen als sehr geringes Risiko, während Werte unter 90 Prozent bereits als deutlich erhöhtes Risiko eingestuft werden können.
Der Branchenscore: Die Sicht der Unternehmen
Im Gegensatz zum Basisscore ist der Branchenscore das eigentliche Instrument, mit dem Unternehmen Ihre Kreditwürdigkeit prüfen. Da eine Bank ein anderes Ausfallrisiko trägt als beispielsweise ein Mobilfunkanbieter, berechnet die Schufa für verschiedene Branchen spezifische Werte.
Warum gibt es unterschiedliche Branchenscores?
Ein Versandhändler möchte wissen, wie wahrscheinlich es ist, dass Sie eine Rechnung über 50 Euro bezahlen. Eine Bank hingegen muss einschätzen, ob Sie über zehn Jahre hinweg eine monatliche Kreditrate von 500 Euro leisten können. Das Risiko ist unterschiedlich verteilt, weshalb auch die Gewichtung der Daten variiert.
Gängige Branchenscores sind unter anderem:
- Schufa-Score für Banken (oft in verschiedenen Versionen wie 2.0 oder 3.0)
- Schufa-Score für den Handel
- Schufa-Score für Telekommunikationsunternehmen
- Schufa-Score für Vermieter
Anders als der Basisscore werden diese Werte oft tagesaktuell berechnet, sobald ein Unternehmen eine Anfrage stellt.
Die wichtigsten Unterschiede im Überblick
Um die Differenzen besser zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich der Eigenschaften:
- Aktualität: Der Basisscore wird alle drei Monate berechnet, Branchenscores bei Bedarf täglich.
- Adressaten: Den Basisscore sehen nur Sie; Branchenscores sehen die Vertragspartner der Schufa (Banken, Händler etc.).
- Detailtiefe: Branchenscores nutzen spezifische Algorithmen, die auf das jeweilige Geschäftsfeld zugeschnitten sind.
Ein wichtiger Hinweis: Auch wenn Ihr Basisscore stabil bleibt, kann sich ein Branchenscore durch eine aktuelle Kreditanfrage sofort verändern.
Warum weichen die Werte voneinander ab?
Es ist völlig normal, dass Ihr Basisscore bei 96 % liegt, eine Bank Ihnen aber einen Score-Wert übermittelt, der rechnerisch eher 92 % entsprechen würde. Dies liegt an der unterschiedlichen Risikobewertung. Die Schufa nutzt für die Branchenscores historische Daten vergleichbarer Personengruppen, um eine Prognose für die Zukunft zu erstellen. Da Banken strengere Maßstäbe anlegen, fallen diese Scores oft kritischer aus als der allgemeine Basisscore.
Wie Sie beide Werte positiv beeinflussen
Obwohl die Algorithmen zur Berechnung der Scores ein Geschäftsgeheimnis der Schufa sind, gibt es bewährte Methoden, um die Werte stabil zu halten oder zu verbessern:
- Zahlungspünktlichkeit: Bezahlen Sie Rechnungen und Kreditraten immer fristgerecht.
- Kreditkarten und Konten: Reduzieren Sie die Anzahl unnötiger Girokonten und Kreditkarten.
- Kreditanfragen: Achten Sie darauf, dass Banken bei Konditionsvergleichen nur die Anfrage „Konditionen“ und nicht „Kredit“ melden, da letztere den Score kurzfristig belasten kann.
- Datenprüfung: Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Schufa-Daten auf falsche oder veraltete Einträge und lassen Sie diese korrigieren.
Fazit
Der Basisscore ist ein guter Richtwert für Sie persönlich, doch für den Geschäftsalltag sind die Branchenscores entscheidend. Wer versteht, dass Unternehmen unterschiedliche Anforderungen an die Bonität stellen, kann seine finanziellen Aktivitäten besser planen und gezielt an einer Verbesserung seiner Kreditwürdigkeit arbeiten.