Warum sich Photovoltaik auch mit negativer Bonität lohnen kann

Eine Solaranlage senkt langfristig die Stromkosten und trägt zum Klimaschutz bei. Doch die Anschaffung kostet mehrere tausend Euro. Wer eine negative SCHUFA hat, steht oft vor der Frage: Wie finanziere ich das? Die gute Nachricht: Es gibt Wege, auch mit eingeschränkter Bonität eine Photovoltaikanlage zu realisieren. Welche das sind, welche Hürden bestehen und worauf Sie achten sollten, lesen Sie hier.

Was Anbieter bei der Bonität prüfen

Die SCHUFA berechnet den Score in Punkten von 100 bis 999 – basierend auf zwölf Kriterien. Die Einteilung erfolgt in Klassen: Hervorragend (776–999), Gut (709–775), Akzeptabel (642–708) und Ausreichend (100–641). Die fünfte Klasse heißt „Ungenügend“: Sie steht dafür, dass die SCHUFA keinen Score berechnet, etwa bei offenen Zahlungsstörungen oder wenn kaum Daten vorliegen. Wichtig zu wissen: Bis Ende 2028 können Unternehmen einen anderen Score verwenden als den, den Verbraucher selbst sehen. Der Wert in Ihrer SCHUFA-Auskunft muss also nicht der sein, mit dem ein Anbieter rechnet.

Wichtig ist die Rollenverteilung: Die SCHUFA liefert Informationen und einen Score, über den Vertrag entscheidet aber nicht sie, sondern der Anbieter. Banken, Leasing- und Mietanbieter berücksichtigen zusätzlich zum Beispiel Einkommen, Beruf, laufende Verpflichtungen und Vermögen und arbeiten mit eigenen Risikoregeln. Deshalb kann derselbe SCHUFA-Eintrag bei einem Anbieter zur Ablehnung führen und bei einem anderen nicht. Eine einzelne negative Information bedeutet also nicht automatisch ein Nein.

Option 1: Kredit für die Photovoltaikanlage

Der klassische Weg ist ein Ratenkredit. Viele Banken bieten spezielle Kredite für Photovoltaik oder energetische Sanierung an. Bei negativer SCHUFA prüfen die Banken jedoch genauer.

Was beim neuen SCHUFA-Score zählt, ist genauer geregelt als die alte Faustregel „jede Anfrage schadet“. Unter den zwölf Kriterien stehen unter anderem die in den vergangenen zwölf Monaten aufgenommenen Ratenkredite, außerdem Anfragen und Abschlüsse bei Girokonten und Kreditkarten sowie Anfragen außerhalb des Bankenbereichs. Bei diesen Anfragen zählt die SCHUFA mehrere innerhalb von 28 Tagen nur einmal – damit Vergleichen nicht mehrfach bestraft wird.

Bei Vergleichsangeboten sollten Sie darauf achten, dass zunächst nur eine Konditionsanfrage gestellt wird. Fragen Sie den Anbieter ausdrücklich, wie die Anfrage an die SCHUFA gemeldet wird. Lehnt eine Bank ab, kann ein anderer Anbieter anders entscheiden – oder eine spätere Anfrage, nachdem Sie fehlerhafte Einträge haben berichtigen lassen.

Wie Sie Ihre Bonität vor der Kreditanfrage verbessern

Bevor Sie eine Kreditanfrage stellen, können Sie selbst aktiv werden:

  • Fordern Sie eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO bei der SCHUFA an und prüfen Sie, ob alle Einträge korrekt sind.
  • Lassen Sie veraltete oder falsche Einträge löschen. Prüfen Sie außerdem, ob Einträge nach Ablauf ihrer Löschfrist tatsächlich entfernt wurden.
  • Bedienen Sie bestehende Kredite und Rechnungen stets pünktlich. Zahlungsstörungen gehören zu den Kriterien des neuen Scores.

Option 2: Leasing der Solaranlage

Beim Leasing zahlen Sie eine monatliche Rate für die Nutzung der Anlage, ohne sie zu kaufen. Das Modell ist vor allem für Hausbesitzer interessant, die keine hohe Einmalzahlung leisten können. Auch beim Leasing prüft der Anbieter in der Regel die Bonität. Ob ein Leasing- oder Mietvertrag trotz negativer SCHUFA zustande kommt, hängt vom jeweiligen Anbieter und dessen Bonitätsprüfung ab.

Beim Leasing sollten Sie auf die Vertragslaufzeit und die Bedingungen achten: Was passiert am Ende? Können Sie die Anlage kaufen? Wer trägt die Wartungskosten? Lesen Sie das Kleingedruckte sorgfältig, denn Leasingverträge sind oft komplexer als Kreditverträge.

Option 3: Miete oder Pacht der Photovoltaikanlage

Eine weitere Alternative ist die Anmietung der Anlage. Dabei zahlen Sie eine monatliche Pacht und der Anbieter kümmert sich um Installation, Wartung und Versicherung. Viele Anbieter werben mit „keiner Bonitätsprüfung“ – das ist jedoch nicht immer korrekt. Auch bei Mietmodellen kann eine SCHUFA-Auskunft eingeholt werden. Erkundigen Sie sich daher vor Vertragsabschluss, ob eine Bonitätsprüfung stattfindet und welche Auswirkungen eine negative SCHUFA auf die Konditionen hat.

Bei einem Mietmodell nehmen Sie keinen Kredit auf, und die Anlage gehört in der Regel nicht Ihnen, sondern dem Anbieter. Preise und Leistungsumfang unterscheiden sich stark. Vergleichen Sie deshalb nicht nur die monatliche Rate, sondern die Gesamtkosten über die gesamte Vertragslaufzeit – und prüfen Sie, was am Ende der Laufzeit mit der Anlage passiert.

Förderprogramme und staatliche Zuschüsse

Egal, wie Sie die Anlage finanzieren: Staatliche Förderungen können Sie zusätzlich nutzen. Die KfW fördert Photovoltaikanlagen zum Beispiel mit dem Kredit 270 „Erneuerbare Energien – Standard“, der auch Privatpersonen offensteht. Beantragt und ausgezahlt wird dieser Kredit allerdings nicht direkt bei der KfW, sondern über einen Finanzierungspartner, etwa Ihre Hausbank. Wichtig: Der Antrag muss über den Finanzierungspartner gestellt sein, bevor Sie mit dem Vorhaben beginnen bzw. einen rechtlich bindenden Vertrag (z. B. Kaufvertrag) schließen. Die Bonitätsprüfung übernimmt dieser Partner nach seinen eigenen Regeln – eine negative SCHUFA spielt also auch beim Förderkredit eine Rolle.

Auch Zuschüsse von Bundesländern oder Kommunen können die Anschaffungskosten senken. Da diese Förderungen regional unterschiedlich sind, informieren Sie sich am besten bei Ihrer Gemeinde oder auf der Förderseite Ihres Bundeslandes.

Praktische Tipps für die Umsetzung

  • Vergleichen Sie mehrere Anbieter – sowohl bei Krediten als auch bei Leasing- und Mietmodellen. Nicht jeder Anbieter bewertet Ihre Bonität gleich.
  • Lassen Sie sich keine überteuerten Konditionen aufdrängen. Seriöse Anbieter nennen alle Kosten transparent.
  • Prüfen Sie Ihre SCHUFA-Daten regelmäßig – mindestens einmal im Jahr sollten Sie die kostenlose Datenkopie anfordern, um Fehler zu entdecken.
  • Zahlen Sie bestehende Verpflichtungen zuverlässig. Zahlungsstörungen gehören zu den Kriterien des neuen SCHUFA-Scores.

Fazit: Photovoltaik trotz Schufa ist möglich – mit der richtigen Strategie

Eine negative SCHUFA bedeutet nicht, dass Sie auf eine Solaranlage verzichten müssen. Mit der passenden Finanzierung – sei es Kredit, Leasing oder Miete – und einer sorgfältigen Vorbereitung können Sie die relevanten Voraussetzungen besser einschätzen und Angebote gezielter vergleichen. Wichtig ist, dass Sie Ihre Bonität kennen, Fehler korrigieren und Angebote vergleichen. Bis Ende 2028 kann der Anbieter mit einem anderen Score rechnen als dem, den Sie selbst sehen – prüfen Sie deshalb Ihre Daten, bevor Sie anfragen. So steigen Ihre Aussichten, auch mit schwieriger Bonität den Schritt in die Solarenergie zu schaffen.