Warum Selbstständige bei der Kreditsuche besonders gefordert sind
Wer selbstständig ist, kennt das Problem: Banken bewerten Kreditanträge von Freiberuflern, Gewerbetreibenden und Gründern anders als die von Angestellten. Liegt zusätzlich ein negativer Schufa-Eintrag vor, wird die Suche nach einer Finanzierung deutlich schwieriger. Aussichtslos ist sie nicht in jedem Fall – es lohnt sich aber, die Wege realistisch einzuschätzen.
Anders als Festangestellte können Selbstständige keinen festen Gehaltsnachweis vorlegen. Stattdessen verlangen Banken in der Regel Steuerbescheide, betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA) oder Einnahmen-Überschuss-Rechnungen der letzten zwei bis drei Jahre. Kommt eine negative Schufa hinzu, lehnen viele Banken den Antrag ab oder verlangen zusätzliche Sicherheiten. Wie streng geprüft wird, hängt von der Bank, der Art der Einträge und Ihrer wirtschaftlichen Lage ab.
Welche Kreditarten für Selbstständige mit negativer Schufa infrage kommen können
Nicht jeder Kredit ist gleich. Einige Varianten sind für Selbstständige mit Bonitätsproblemen oft realistischer als der klassische Ratenkredit von der Hausbank – eine Zusage ist aber bei keiner davon sicher.
1. Ratenkredit über Online-Kreditvermittler
Einige Online-Kreditvermittler arbeiten mit Banken zusammen, die auch Anträge von Selbstständigen mit schwächerer Bonität prüfen – dann meist zu höheren Zinssätzen. Achten Sie darauf, dass Ihre Anfrage als Anfrage Kreditkonditionen gestellt wird und nicht als Kreditanfrage. Eine Konditionsanfrage fließt nach Angaben der Schufa nicht in den Score ein.
2. Kontokorrentkredit auf dem Geschäftskonto
Ein bestehender Kontokorrentkredit kann kurzfristig Liquidität schaffen. Ob und in welcher Höhe ein Kreditrahmen eingeräumt wird, hängt von der jeweiligen Bank und der individuellen Bonitätsprüfung ab. Die Zinsen sind in der Regel hoch – nutzen Sie einen Kontokorrentkredit deshalb nur zur Überbrückung, nicht als dauerhafte Finanzierung.
3. Leasing statt Kauf
Für Maschinen, Fahrzeuge oder IT-Ausstattung kann Leasing eine Alternative zum Kredit sein. Der Leasinggeber bleibt Eigentümer des Objekts, das senkt sein Risiko. Eine Bonitätsprüfung findet trotzdem statt. Vergleichen Sie die Gesamtkosten genau, denn sie können deutlich über denen eines normalen Kredits liegen.
Förderprogramme: Chancen und Grenzen
Förderkredite und Bürgschaften sollen vor allem Gründern und kleinen Unternehmen helfen, denen Sicherheiten fehlen. Sie ersetzen aber keine Bonitätsprüfung: Auch hier wird geprüft, ob Sie den Kredit voraussichtlich zurückzahlen können.
KfW-Förderkredite
Förderkredite der KfW beantragen Sie nicht bei der KfW selbst, sondern über eine Bank oder Sparkasse. Diese prüft Ihren Antrag und entscheidet, ob sie den Kredit vergibt. Für junge Unternehmen, die weniger als fünf Jahre am Markt sind, gibt es zum Beispiel den ERP-Gründerkredit – StartGeld (Programm 067). Dabei übernimmt die KfW einen Teil des Ausfallrisikos der Bank; das kann die Vergabe erleichtern, ersetzt aber nicht die Prüfung der Bank. Für etablierte kleine und mittlere Unternehmen gibt es den ERP-Förderkredit KMU (Programme 365/366). Konditionen, Höchstbeträge und Voraussetzungen ändern sich regelmäßig – prüfen Sie vor dem Antrag die aktuellen Merkblätter auf kfw.de.
Bürgschaftsbanken der Länder
In allen Bundesländern gibt es Bürgschaftsbanken, die für Kredite an Selbstständige und kleine Unternehmen bürgen können. Eine Bürgschaft kann vor allem fehlende Sicherheiten ausgleichen. Eine negative Bonität gleicht sie in der Regel nicht aus: Auch die Bürgschaftsbank prüft Ihr Vorhaben, Ihre Zahlen und Ihre persönliche Situation. Wie der Antrag abläuft – über die Hausbank oder vorab direkt bei der Bürgschaftsbank –, unterscheidet sich von Land zu Land. Informieren Sie sich bei der Bürgschaftsbank Ihres Bundeslands.
Mikrokredite für kleine Vorhaben
Der bundesweite Mikrokreditfonds Deutschland, über den Kleinkredite bis 25.000 Euro abgesichert wurden, hat zum 30. Juni 2026 die Vergabe neuer Kredite eingestellt; ein Nachfolgeprogramm des Bundes gibt es bisher nicht. Einige Bundesländer bieten eigene Programme für kleine Finanzierungen an. Ob es in Ihrem Land ein passendes Angebot gibt, erfahren Sie bei der Förderbank des Landes oder Ihrer IHK bzw. Handwerkskammer.
Alternativen zum klassischen Kredit
Neben Krediten gibt es weitere Finanzierungsinstrumente, die oft übersehen werden. Auch hier prüfen die Anbieter – nur teilweise nach anderen Kriterien.
Factoring: Rechnungen verkaufen
Wenn Sie offene Forderungen gegenüber Kunden haben, können Sie diese an ein Factoring-Unternehmen verkaufen. Sie erhalten sofort einen Großteil des Rechnungsbetrags, der Rest folgt nach Zahlungseingang abzüglich Gebühren. Factoring ist grundsätzlich eine andere Form der Finanzierung als ein klassischer Kredit. Geprüft wird dabei vor allem die Zahlungsfähigkeit Ihrer Kunden, meist aber auch Ihr eigenes Unternehmen. Ob und welche Informationen an Auskunfteien übermittelt werden, hängt vom jeweiligen Anbieter und Vertragsmodell ab. Factoring eignet sich vor allem für Unternehmen mit regelmäßigen Rechnungen an gewerbliche Kunden.
Sale-and-lease-back: Eigenes Equipment verkaufen und zurückleasen
Wenn Sie Maschinen oder Fahrzeuge besitzen, können Sie diese an eine Leasinggesellschaft verkaufen und anschließend zurückleasen. So erhalten Sie Liquidität, ohne auf die Nutzung zu verzichten. Weil das Objekt als Sicherheit dient, spielt sein Wert bei der Entscheidung eine große Rolle – eine Bonitätsprüfung findet trotzdem statt. Rechnen Sie die Gesamtkosten gegen den Erlös.
Private Geldgeber und Crowdfunding
Für kleinere Beträge kommen auch Darlehen von Angehörigen oder Crowdfunding infrage. Halten Sie ein privates Darlehen schriftlich fest – mit Betrag, Zins, Rückzahlung und dem, was bei Zahlungsschwierigkeiten gilt. Crowdfunding über Plattformen wie Startnext oder Kickstarter eignet sich vor allem für Produktideen, die viele Unterstützer ansprechen.
So verbessern Sie Ihre Chancen trotz negativer Schufa
Auch mit negativen Einträgen können Sie einiges tun, um Ihre Ausgangslage zu verbessern.
- Schufa-Auskunft prüfen: Fordern Sie Ihre kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO an und kontrollieren Sie, ob alle Einträge korrekt sind. Fehler können Sie nach Art. 16 DSGVO berichtigen lassen; auch das ist nach Art. 12 Abs. 5 DSGVO unentgeltlich.
- Unrichtige Daten löschen lassen: Prüfen Sie, ob die gespeicherten Daten korrekt und aktuell sind. Unrichtige oder unzulässig gespeicherte Daten können Sie berichtigen oder löschen lassen.
- Offene Forderungen klären: Begleichen Sie berechtigte offene Forderungen, soweit Ihnen das möglich ist. Eine erledigte Forderung wird als erledigt vermerkt – das wirkt sich bei vielen Kreditgebern anders aus als ein offener Eintrag.
- Einnahmen nachweisen: Je länger Sie belegen können, dass Ihr Geschäft regelmäßig Einnahmen erzielt, desto besser. Halten Sie BWA, Steuerbescheide und Kontoauszüge der letzten zwölf Monate bereit.
- Eigenkapital oder Sicherheiten einbringen: Eigenkapital oder Sicherheiten wie Immobilien oder Guthaben senken das Risiko für den Kreditgeber.
- Bürgen einbeziehen: Ein Bürge mit guter Bonität kann die Chancen erhöhen. Er haftet aber im Ernstfall mit seinem eigenen Vermögen – sprechen Sie das offen an.
Worauf Sie bei Kreditangeboten achten sollten
Gerade bei schlechter Bonität tauchen unseriöse Angebote auf. Werden Sie misstrauisch, wenn schon vor der Auszahlung Gebühren verlangt werden – etwa für Bearbeitung, Vermittlung oder eine angebliche Versicherung. Geben Sie keine Zugangsdaten zu Ihrem Konto preis, sondern nutzen Sie nur die dafür vorgesehenen Verfahren Ihrer Bank. Prüfen Sie Impressum und Vertragsbedingungen des Anbieters. Ein Kreditangebot muss den effektiven Jahreszins und die Gesamtkosten nennen.
Ein negativer Schufa-Eintrag schließt eine Finanzierung für Selbstständige nicht in jedem Fall aus. Je nach Situation können verschiedene Wege infrage kommen – eine Zusage gibt es aber auf keinem davon ohne Prüfung.
Fazit: Wege prüfen, Erwartungen realistisch halten
Auch bei einer negativen Schufa können je nach Situation verschiedene Finanzierungswege infrage kommen. Entscheidend sind unter anderem die Art der Einträge, die wirtschaftliche Situation und die Anforderungen des jeweiligen Finanzierungspartners. Prüfen Sie neben dem klassischen Bankkredit auch Förderprogramme, Bürgschaften und alternative Finanzierungsformen, bereiten Sie Ihre Unterlagen sorgfältig vor und lassen Sie sich nicht von Angeboten locken, die eine Zusage ohne Prüfung versprechen.